Einer ist zu viel – das stille Duell um Langnaus 7. Ausländer-Position
Die Langnauer werden nächste Saison mit 7 Ausländern beginnen. Sportchef Pascal Müller sagt: «Das haben wir so entschieden, das wird so sein.»
Nun ist es so, dass der 7. Mann weder Superstar noch Leitwolf sein kann. Er wird die Rolle eines gut bezahlten Edelreservisten übernehmen: Nur wenn einer der sechs Stammausländer unpässlich ist, kommt er zum Einsatz. Die Erfahrung lehrt, dass im Laufe einer Saison bei mindestens 40 Spielen einer der sechs Stammausländer fehlt. Entweder verletzt oder krank.
Ein Vertrag als 7. Mann in Langnau ist also durchaus lukrativ. Im Idealfall ist einer so gut, dass er gleich in den Schuhen des ausgefallenen ausländischen Spielkameraden stehen kann. Und so bescheiden und professionell, dass er die Rolle als 7. Ausländer klaglos akzeptiert. Denn eines darf der 7. Ausländer unter keinen Umständen: Den Frieden in der Kabine stören.
Langnaus Sportchef befindet sich nun in einer komfortablen Situation: Er hat für nächste Saison bereits sechs Ausländer unter Vertrag. Die Verteidiger Juuso Riikola und Santtu Kinnunen sowie die Stürmer Hannes Björninen, Saku Mäenalanen, André Petersson und Jonathan Dahlen. Sie sind für die 6 Ausländerpositionen gesetzt.
Für die Rolle des 7. Ausländers hat er zwei Kandidaten: Harri Pesonen und Sean Malone. Der Vertrag des Finnen läuft Ende Saison aus. Der Amerikaner kommt mit Vertrag bis Saisonende als Ersatz für den bis zur Olympiapause verletzten Hannes Björninen.
Beide haben nun die Chance sich mit Leistung und Wohlverhalten den Vertrag als 7. Ausländer für die nächste Saison zu erkämpfen.
Es ist eine jener Konstellationen, wie sie das Feuilleton liebt: zwei gänzlich unterschiedliche Figuren, zwei verschiedene Lebensläufe, ein freier Platz. Einerseits der ruhmreiche Veteran Harri Pesonen, bereits im 7. Jahr in Langnau und als Captain ein allseits respektierter Leitwolf. Er wird im August 38 Jahre alt und hat schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Olympiasieger, Weltmeister, zweifacher finnischer Meister, dank einem Gastspiel in der KHL mit abgeschlossener Vermögensbildung und Erfahrung aus mehr als 1000 Spielen im Erwachsenenhockey, davon gut 500 in unserer höchsten Liga. Ein Lebenslauf wie ein abgeschlossenes Epos.
Andererseits der «Nobody» Sean Melone, der im April schon 30 wird, seine Vermögensbildung aber noch lange nicht abgeschlossen, ausser zwei Titeln im US-Studentenhockey noch nichts gewonnen und erst etwas mehr als 400 Partien im Erwachsenenhockey bestritten hat. Mehr noch: Der Amerikaner hat sogar den noch für nächste Saison gültigen Vertrag in der höchsten schwedischen Liga bei Örebro aufgelöst, damit er für den Rest der Saison nach Langnau kommen kann, wo er sich bereits einmal zwei Jahre bewährt und wo es ihm gut gefallen hat. Kein Kultstatus wie Harri Pesonen, nüchterner sein Palmarès, aber vielleicht gerade deshalb eine Spur bissiger, ehrgeiziger.
Harri Pesonen und Sean Malone duellieren sich nicht im Direktkampf mit offenem Visier, nicht im «High Noon» Mann gegen Mann. Sondern im einsamen, stillen Ringen um den siebten Ausländerplatz.
Harri Pesonen bringt die Aura des Legendären mit. Einer, der weiss, wie sich olympisches und weltmeisterliches Gold um den Hals anfühlt. In ihm schwingt etwas Homerisches mit: der Held, der nach grossen «Schlachten» noch einmal beweisen will, dass Erfahrung mehr ist als Erinnerung.
Sean Malone hingegen wirkt eher wie eine Figur aus der amerikanischen Gegenwartsliteratur, aus einer Geschichte von James Salter: pragmatisch. Um es literarisch zu sagen: ein stocknüchterner Textarbeiter, der seine Sätze nicht schmückt, sondern sie wirksam setzt. Kein Pathos, sondern Präsenz. Kein Lorbeer, sondern die Aussicht darauf.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Um es literarisch weiterzuspinnen: Wie beim grossen Friedrich Dürrenmatt liegt die eigentliche Spannung nicht im Ausgang, sondern in dieser reizvollen Konstruktion der Situation selbst.
Am Ende entscheidet nicht ein spektakuläres Tor oder ein wundersames Zuspiel. Sondern die Summe der kleinen Dinge: Die gewonnenen Anspiele, die erfolgreichen Zweikämpfe, die blockierten Schüsse.
Die ganze Sache kann aber auch im Absurden enden, als sei es eine Geschichte von Samuel Beckett («Malone stirbt»). Durchaus möglich, dass keiner der beiden den Job als 7. Mann bekommt. Sportchef Pascal Müller sagt nämlich auch: «Es ist richtig, dass Pesonen und Malone Kandidaten für unsere 7. Ausländerposition sind. Aber für uns geht es darum, den bestmöglichen Mann zu finden, und vielleicht gibt es ja nach der Saison auf dem Ausländermarkt einen noch besseren Spieler als Pesonen und Malone …»
Die Nordamerikaner pflegen zu sagen: «The best motivation is an expiring contract.» Harri Pesonen und Sean Malone sind motiviert.
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P.S. Zuletzt haben die Langnauer mit nur vier Ausländern Ambri (3:0) und Biel (4:0) gebodigt. Harri Pesonen hat sich von seiner Erkrankung erholt und kehrt heute gegen Gottéron in die Mannschaft zurück. Sean Malone trifft am Mittwoch in Langnau ein. Aber das Einholen des Arbeitsvisums (er ist Amerikaner) dauert etwas. Im allerbesten Fall kann er am Samstag gegen Davos erstmals spielen, wahrscheinlich aber erst am übernächsten Mittwoch (14. Januar) gegen Ajoie. Langnau wird also voraussichtlich auch gegen die Lakers und gegen Davos nur mit fünf Ausländern antreten und erst gegen Ajoie wieder alle sechs Ausländerpositionen besetzen können.
Der verletzte Hannes Björninen wird frühestens für die restlichen sechs Qualifikationspartien nach der Olympiapause wieder einsatzbereit sein. Bis dahin werden also Harri Pesonen und Sean Malone zusammen für die SCL Tigers spielen – und «gegeneinander» um den 7. Platz für nächste Saison.
